«Zehn unbekümmerte Anarchistinnen»

04. November 2021

GBSL

«Zehn unbekümmerte Anarchistinnen»

Die Theatergruppe 1 des Gymnasiums wird vom 25. – 27. Februar 2022 ein Stück Zeitgeschichte aus der Region zur Aufführung bringen. Ausgehend vom Roman «Zehn unbekümmerte Anarchistinnen» des Genfer Autors Daniel de Roulet wird eine Spielversion für das Theater erarbeitet. Am 1. November besuchte der Autor die Theatergruppe und ermutigte sie diese Geschichte von Schweizer Emigrantinnen auf die Bühne zu bringen.

Daniel de Roulet ist in Péry aufgewachsen und hat in Biel das französische Gymnasium an der Alpenstrasse besucht. Bei seinem Treffen mit der Theatergruppe in der Aula an der Alpenstrasse kamen Erinnerungen an die Schulzeit und die wöchentlichen Theaterbesuche im damaligen Theater Capitol hoch. Aus erster Hand erfuhr die Theatergruppe wie das Buch entstanden ist und lernte ein Kapitel Schweizer Geschichte kennen, welches weniger bekannt ist. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Schweiz eine beispiellose Auswanderungswelle. Armut und Hunger trieben Hunderttausende auch aus dem Tal von Saint-Imier ihr Glück in den neuen Kolonien zu suchen. In Zeitungen wurde für die Auswanderung geworben, zum Teil von denselben Agenturen, die einst vom Sklavenhandel profitierten. Von den Emigranten und Emigrantinnen haben vor allem die Erfolgsgeschichten überlebt. Geblieben sind die Namen derer, die es zu Reichtum gebracht haben. Vergessen ist die grosse Mehrzahl der weniger Glücklichen. Eine Geschichte der Migration von unten wollte der engagierte Autor de Roulet daher mit seinem Buch schreiben. Viele hätten nicht einmal die beschwerliche Fahrt über den Atlantik überlebt. Angekommen in dem verheissenen Paradies fanden sie alles anders vor. Von den meisten Ausgewanderten seien nur drei Briefe geblieben. Der erste sei kurz nach der Ankunft in der Heimat angekommen und habe die Zurückgebliebenen vertröstet zu warten, da es noch zu früh sei um nachzukommen. Der zweite Brief, ein, zwei Jahre später, sprach von Schwierigkeiten und nicht selten wurden die Angehörigen gebeten Geld zu schicken. Der dritte Brief war ein offizieller des Konsulats, in dem der Tod der Person mitgeteilt wurde.

In Saint-Imier haben sich mit dem Aufkommen der Uhrenmanufakturen auch anarchistische Ideen ausgebreitet. Die Auswanderung in die neue Welt war mit der von Rousseau genährten Hoffnung auf eine neue Gesellschaft verbunden, in der alle Menschen frei seien und auch die Frauen gleiche Rechte wie die Männer geniessen würden. In «Zehn unbekümmerte Anarchistinnen» erzählt Daniel de Roulet zehn Frauenschicksale aus Saint-Imier, die 1872 als anarchistische Frauengruppe nur mit ihren Kindern nach Chile auswandert. Auch wenn die Frauen im Buch fiktive Personen seien, so hätte doch jedes dieser Schicksale in der Realität seine Entsprechung, verriet der Autor.

Zum Schluss des Besuchs ermunterte er die Theatergruppe mit dem Stoff frei umzugehen. Wichtig sei ihm einzig, dass wie im Buch auch im Theater die Geschichte der Migration von unten, also aus der Perspektive derjenigen erzählt werde, die nicht zu Ruhm und Reichtum gekommen seien.

 

Theatergruppe 1

Die Theatergruppe 1 des Gymnasiums wird vom 25. – 27. Februar 2022 ein Stück Zeitgeschichte aus der Region zur Aufführung bringen. Ausgehend vom Roman «Zehn unbekümmerte Anarchistinnen» des Genfer Autors Daniel de Roulet wird eine Spielversion für das Theater erarbeitet. Am 1. November besuchte der Autor die Theatergruppe und ermutigte sie diese Geschichte von Schweizer Emigrantinnen auf die Bühne zu bringen.

Daniel de Roulet ist in Péry aufgewachsen und hat in Biel das französische Gymnasium an der Alpenstrasse besucht. Bei seinem Treffen mit der Theatergruppe in der Aula an der Alpenstrasse kamen Erinnerungen an die Schulzeit und die wöchentlichen Theaterbesuche im damaligen Theater Capitol hoch. Aus erster Hand erfuhr die Theatergruppe wie das Buch entstanden ist und lernte ein Kapitel Schweizer Geschichte kennen, welches weniger bekannt ist. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Schweiz eine beispiellose Auswanderungswelle. Armut und Hunger trieben Hunderttausende auch aus dem Tal von Saint-Imier ihr Glück in den neuen Kolonien zu suchen. In Zeitungen wurde für die Auswanderung geworben, zum Teil von denselben Agenturen, die einst vom Sklavenhandel profitierten. Von den Emigranten und Emigrantinnen haben vor allem die Erfolgsgeschichten überlebt. Geblieben sind die Namen derer, die es zu Reichtum gebracht haben. Vergessen ist die grosse Mehrzahl der weniger Glücklichen. Eine Geschichte der Migration von unten wollte der engagierte Autor de Roulet daher mit seinem Buch schreiben. Viele hätten nicht einmal die beschwerliche Fahrt über den Atlantik überlebt. Angekommen in dem verheissenen Paradies fanden sie alles anders vor. Von den meisten Ausgewanderten seien nur drei Briefe geblieben. Der erste sei kurz nach der Ankunft in der Heimat angekommen und habe die Zurückgebliebenen vertröstet zu warten, da es noch zu früh sei um nachzukommen. Der zweite Brief, ein, zwei Jahre später, sprach von Schwierigkeiten und nicht selten wurden die Angehörigen gebeten Geld zu schicken. Der dritte Brief war ein offizieller des Konsulats, in dem der Tod der Person mitgeteilt wurde.

In Saint-Imier haben sich mit dem Aufkommen der Uhrenmanufakturen auch anarchistische Ideen ausgebreitet. Die Auswanderung in die neue Welt war mit der von Rousseau genährten Hoffnung auf eine neue Gesellschaft verbunden, in der alle Menschen frei seien und auch die Frauen gleiche Rechte wie die Männer geniessen würden. In «Zehn unbekümmerte Anarchistinnen» erzählt Daniel de Roulet zehn Frauenschicksale aus Saint-Imier, die 1872 als anarchistische Frauengruppe nur mit ihren Kindern nach Chile auswandert. Auch wenn die Frauen im Buch fiktive Personen seien, so hätte doch jedes dieser Schicksale in der Realität seine Entsprechung, verriet der Autor.

Zum Schluss des Besuchs ermunterte er die Theatergruppe mit dem Stoff frei umzugehen. Wichtig sei ihm einzig, dass wie im Buch auch im Theater die Geschichte der Migration von unten, also aus der Perspektive derjenigen erzählt werde, die nicht zu Ruhm und Reichtum gekommen seien.

 

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